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Chip EV (cEV) ist der Erwartungswert einer Hand in Chips, ohne den Dollarwert dieser Chips zu berücksichtigen. In Cash Games entspricht Chip EV direkt dem Dollar-EV. In MTTs und Satelliten weicht cEV vom Dollar-EV ab, weil Chips an der Bubble und am Final Table einen nichtlinearen Geldwert haben. Solver wie PioSolver und GTO+ rechnen in Chip EV und erfordern für Turniersituationen eine ICM-Korrektur.
Chip EV
Ein 5-max SnG, $50 Buy-in. Die Preisgelder: $120 / $60 / $30. Noch vier Spieler, Stacks A=2400, B=1800, C=1200, D=600 (dein Stack, 6 BB auf dem Blindlevel 100). UTG (Big Stack A) pusht, du hältst AKo. Call oder Fold?
Rein nach Chip EV: AKo gegen die Push-Range des großen Stacks (grob 22%+, also JJ+/AT+/22-77) hat rund 52% Equity. Der Pot vor deinem Call beträgt effektiv circa $2,600. Dein Call kostet 600 Chips. Chip EV des Calls = +0,05 × 600 = +30 Chips. Marginal positiv.
Nach Dollar EV (mit ICM): Der Bubble-Faktor für dich als Short Stack gegen den pushenden Big Stack liegt bei rund 0,6. Du brauchst also mindestens 38% Equity für einen Break-even-Call, hast aber 52%. Der Call ist in Dollar deutlich +EV. Ein Lehrbeispiel für die umgekehrte Logik: Der Short Stack an der Bubble profitiert hier vom ICM, weshalb der Call klar gewinnt.
Jetzt der Gegenfall. Gleicher Turnier, du bist der mittlere Stack mit 1800 (B), Big Stack A pusht mit 2400. Du hältst TT. Chip EV: TT gegen die Push-Range, rund 55% Equity, klar positiv in Chips. Dollar EV: Der Bubble-Faktor für den mittleren Stack liegt bei etwa 2,5, du brauchst 71%+ Equity, um den Call zu rechtfertigen. Mit 55% bist du weit davon entfernt. Dollar EV klar negativ, Fold ist richtig.
Das ist der grundlegende Unterschied zwischen Chip EV und Dollar EV: In Chips gilt eine Mathematik, in Dollar eine andere. Wer Chip EV und seine Grenzen nicht versteht, callt an der Bubble systematisch -EV-Spots und foldet +EV-Spots gegen Big Stacks.
Was das überhaupt ist
Chip EV ist der Erwartungswert einer Hand, ausgedrückt in Chips. Du setzt 100 Chips in einen Spot mit 60% Equity gegen einen Pot von 200 Chips: Chip EV = 0,60 × 200 - 0,40 × 100 = +80 Chips. Lineare Rechnung, ohne Rücksicht darauf, wie viel diese Chips aus dem Preispool wert sind.
In Cash Games ist das der richtige Ansatz. 1 Chip am Cash-Tisch = 1 Geldeinheit. Gewinne und Verluste in Chips lassen sich direkt in Dollar umrechnen. Chip EV maximieren heißt Dollar EV maximieren. Alle klassischen Konzepte, Pot Odds, Implied Odds, Equity, funktionieren im Chip-EV-Modell, und im Cash Game bricht das nie zusammen.
In Turnieren ist Chip EV nur die halbe Wahrheit. Turnier-Chips haben einen nichtlinearen Dollarwert. 1.000 Chips beim Big Stack sind in Dollar weniger wert als 1.000 Chips beim Short Stack, weil der Short Stack näher am Ausscheiden ist und seine Chips den minimalen Cash absichern. Genau hier klafft die Lücke zwischen Chip EV und Dollar EV, der üblicherweise als ICM EV bezeichnet wird.
Chip EV zu verstehen ist wichtig, weil es das Basismodell für Solver-Berechnungen ist. PioSolver, GTO+ und MonkerSolver modellieren den Spielbaum in Chip EV. Ihre Ausgaben sind optimale Strategien nach Chip EV. Um das Solver-Ergebnis in einen Turnierkontext zu übertragen, nimmt man im Nachgang eine ICM-Korrektur vor. Ohne Verständnis von Chip EV lassen sich Solver nicht sinnvoll einsetzen.
Formel: Chip EV berechnen
Die Grundformel lautet:
Chip EV = Equity × Gewinn in Chips - (1 - Equity) × Verlust in Chips
Ein konkretes Beispiel. Du pushst All-in mit 1.500 Chips, der Pot vor deinem Push beträgt 300 Chips. Wenn der Villain callt:
- Equity deiner Hand: 50%
- Gewinn bei Sieg: 1.500 Chips (Stack des Villains) + 300 (Pot) = 1.800
- Verlust bei Niederlage: 1.500 Chips (dein Stack)
Chip EV des Calls für den Villain, wenn er seine Hand auf 50% gegen dich schätzt:
Chip EV = 0,5 × 1.800 - 0,5 × 1.500 = +150 Chips
Der Villain mit 50% Equity holt im Schnitt +150 Chips pro Call. Das ist ein positiver Chip-EV-Spot, und er sollte callen.
Für Pot-Odds-Berechnungen im Chip-EV-Kontext sieht die Formel etwas anders aus:
Required Equity = Call / (Call + Final Pot)
Pot 500 Chips, Villain wettet 200 Chips, du musst 200 Chips in einen Pot von 700 callen. Required Equity = 200 / 700 = 28,6%. Liegt deine Equity darüber, liefert der Call positiven Chip EV.
Nutze den Equity-Rechner für eine genaue Bewertung deiner Equity gegen die Range des Villains sowie den Pot-Odds-Rechner für einfache Berechnungen.
Chip EV vs. Dollar EV (ICM)
Das ist die grundlegende Mathematik des Turnierpokers. Einprägen wie ein Mantra:
Im Cash Game: Chip EV = Dollar EV. 1 Chip am Tisch = 1 Euro/Dollar. Alle Entscheidungen basieren auf reiner Chip-EV-Mathematik. ICM ist im Cash Game grundsätzlich irrelevant.
Im MTT in der Frühphase (weit vor der Bubble): Chip EV ≈ Dollar EV. Die Abweichung ist minimal, weil alle Spieler weit von Auszahlungssprung-Situationen entfernt sind. ICM-Korrekturen verschieben Entscheidungen um 1-3%, was meist unterhalb der Fehlertoleranz bei der Equity-Einschätzung liegt.
Im MTT in der Mittelphase: Chip EV und Dollar EV beginnen auseinanderzulaufen, besonders bei deutlicher Stack-Asymmetrie. Beispiel: Du sitzt mit 5 BB auf einem Blindlevel mit Top 50 im Geld in einem 200-Spieler-Turnier. Chip EV empfiehlt breites Pushen, Dollar EV (ICM) erst recht (Chips eines Short Stacks sind kaum etwas wert, spiel in reinem cEV).
An der MTT-Bubble: Chip EV und Dollar EV laufen dramatisch auseinander. Ein großer Stack spielt in der "umgekehrten Mathematik" (siehe Bubble-Faktor). Entscheidungen müssen auf ICM-Basis getroffen werden, nicht auf Chip-EV-Basis.
An der Finaltisch-Bubble: Die Abweichung ist maximal. Der Bubble-Faktor bei mittleren Stacks liegt bei 2,5-3,5x. Reine Chip-EV-Entscheidungen sind hier fatal.
Im Satelliten (alle Gewinner erhalten denselben Sitzplatz): Chip EV ist nahezu vollständig irrelevant. Sieg = Seat, Ausscheiden = 0, kein Preisgradient vorhanden. ICM dominiert vollständig.
Faustregel: Arbeite mit Chip-EV-Mathematik, wenn (a) es ein Cash Game ist oder (b) du in einem Turnier weit entfernt von jedem relevanten Geldereignis bist (Bubble, Finaltisch, großer Auszahlungssprung). In allen anderen Situationen denkst du durch die ICM-Linse.
Wo Chip EV perfekt funktioniert
Cash Games, immer. Das ist das grundlegende Entscheidungsmodell. Jede Situation im Cash Game wird über Chip EV analysiert. Nutze den Solver direkt, ohne ICM-Korrekturen.
Heads-up-MTT und SnG. Sind noch zwei Spieler übrig, vereinfacht sich der ICM auf Chip EV (der Gewinner nimmt 100%, der Verlierer erhält den Mindestkash). Heads-up ist der Grenzfall, in dem Chip EV und Dollar EV nahezu übereinstimmen. Solver-Strategien funktionieren hier eins zu eins.
Frühe MTT-Phasen (bis 50% des Feldes ausgeschieden sind). Die Abweichung zwischen Chip EV und Dollar EV liegt unter 5%, also unterhalb der Equity-Schätzfehlergrenze. Chip EV maximieren ist die richtige Strategie.
Späte Phasen mit flacher Auszahlungsstruktur. Manche Turniere, etwa Satelliten mit mehreren Sitzen, haben eine flache Preisstaffel (Plätze 1-9 erhalten je $100). Der ICM-Druck ist dabei minimal, die Chip-EV-Mathematik funktioniert.
Strategien über den Solver erarbeiten. PioSolver und GTO+ modellieren in Chip EV. Du studierst deren Output, verstehst, was GTO-Balance bedeutet, und wendest dieses Wissen im Cash Game direkt an, im MTT dagegen mit ICM-Korrektur.
Wo Chip EV versagt
An der Geld-Bubble. Der Sprung von $0 auf $300 Mindestkash macht die Chips eines Short Stacks in Dollar wertvoller, als Chip EV es abbildet. Ein Big Stack spielt tighter, seine Chips sind schon fast im Geld. Mittlere Stacks spielen tighter, als Chip EV empfiehlt. Short Stacks pushen breiter, als ein reines Chip-EV-Kalkül vorschreiben würde.
An der Finaltisch-Bubble (9-10 Spieler verbleiben). Das sind die größten Auszahlungssprünge im gesamten Turnier. Der Bubble-Faktor eines mittleren Stacks liegt bei 2,5 bis 3,5x. Entscheidungen, die Chip EV als +0,5 BB ausweist, können in einem großen MTT einen Dollar EV von -$300 ergeben.
In Satelliten. Die Struktur "Gewinner erhält einen Sitz" zerstört sämtliche Chip-EV-Konzepte. Ein Big Stack muss extrem tight spielen, denn Chip EV bewertet Pushes zwar als +EV, doch in einem Satelliten bringt das Gewinnen weiterer Chips nichts, wenn der Sitz bereits gesichert ist.
Bei starkem Stack-Ungleichgewicht nahe großer Auszahlungssprünge. Bei 20 verbleibenden Spielern in einem Turnier, das die Top 50 auszahlt, sollten mittlere Stacks mit 15 BB Hände passen, die Chip EV klar als Push ausweist.
In Bounty-Turnieren (KO, Progressive KO). Hier versagt Chip EV in die entgegengesetzte Richtung. Der Bounty-Wert macht breites Pushen zur richtigen Wahl, weil ein Bounty zusätzlichen Dollar-Value für das Eliminieren eines Gegners bedeutet. Standardmäßige Chip-EV-Berechnungen unterschätzen den Vorteil von Aggression.
Push/Fold Preflop nach Chip EV
Mit kurzem Stack (10 BB und weniger) laufen die meisten Entscheidungen auf Push oder Fold hinaus. Das Nash-Gleichgewicht im Chip-EV-Kontext liefert nicht ausbeutbare Strategien für Push/Fold-Ranges. Das ist das Grundmodell der MTT-Strategie.
Konkretes Beispiel einer Nash-Push-Range mit 10 BB aus UTG im 6-Max:
- 22+, A2+ (alle Asse)
- K8s+, K9o+
- Q9s+, QTo+
- JTs, J9s
- T8s+, T9o
Das entspricht einer Range von rund 17,5%. Laut Chip-EV-Modell ist ein Push dieser Range gegen den optimalen Call des Villains breakeven.
Chip-EV-Berechnungen setzen voraus, dass der Gegner optimal verteidigt. In der Praxis callen Gegner häufig zu locker, was breite Pushes noch profitabler macht.
Die ICM-Korrektur engt Nash-Push-Ranges in der Regel ein. An der Bubble eines großen MTTs schrumpft deine chip-EV-korrekte Push-Range um 30 bis 50 Prozent, weil:
- Ein großer Stack sich nicht mit marginalen Händen gegen dich stellen wird (er geht an der Bubble selbst keine 50-50-Situation ein)
- Mittlere Stacks sehr tight callen (auch sie stehen unter ICM-Druck)
- Jedes Ausscheiden unterhalb des minimalen Geldrangs in Dollar teurer ist, als Chip EV es abbildet
Nutze den ICM-Trainer, um Nash-Push-Ranges an den ICM-Druck deines aktuellen Spots anzupassen.
Preflop-Calling-Ranges nach Chip EV
Wenn der Villain pusht, bestimmt seine Push-Range in Kombination mit den Pot Odds deine Calling-Range. Die Formel nach Chip EV lautet:
required equity = call / (call + dead money + push)
Angenommen, der Villain pusht 12 BB aus UTG, dein Stack beträgt 25 BB auf dem Big Blind. Du callst 12 BB in einen Pot von 13,5 (1,5 BB Blinds + Ante + 12 BB Push). Required Equity = 12 / 24,5 = 49,0%.
Gegen eine Nash-UTG-Push-Range von rund 12% (JJ+/AK) muss deine Calling-Range mindestens 49% Equity haben. Das ergibt TT+, AQ+ sowie gelegentliche Bluff-Catcher wie 99, die manchmal +0,5% Chip EV generieren.
Im Cash Game lassen sich diese Berechnungen direkt anwenden. An der Bubble musst du deine Calling-Range um 30 bis 50 Prozent einengen, da die ICM-Korrektur die Required Equity auf 60 bis 70 Prozent anhebt.
Postflop-Chip EV
Im Postflop-Spiel bestimmt der Chip EV die optimalen Continuation-Bet-Sizings, Bluff-Catching-Frequenzen und Donk-Bet-Entscheidungen. Alle Standardausgaben eines Solvers basieren auf Chip EV.
Konkrete Beispiele aus der Solver-Literatur:
Continuation-Bet-Sizing auf dem Flop mit einem Ass: Der Solver empfiehlt 33% Sizing mit hoher Frequenz (75%) und 100% Sizing mit geringerer Frequenz (25%). Diese Empfehlung basiert auf Chip EV und ist im Cash Game direkt anwendbar.
Bluff-Catching auf dem River mit mittlerem Paar: Der Solver empfiehlt einen Call mit minimaler Frequenz (40%) gegen bestimmte Sizings. Im Cash Game funktioniert das problemlos. An der MTT-Bubble kann man häufiger folden, weil der Dollar EV eines Calls durch Reverse Implied Odds deutlich negativer ausfällt.
Donk-Bet vom Flop aus der BB-Position: GTO empfiehlt Donk-Bets auf bestimmten Board-Texturen (niedrige, connected Boards). Das ist eine Chip-EV-Empfehlung. Im MTT kann je nach Position relativ zu Auszahlungssprüngen eine Anpassung notwendig sein.
Solver und Chip EV (GTO)
GTO (Game Theory Optimal) bedeutet, den Chip EV gegen einen theoretisch optimalen Gegner zu maximieren. Tools wie PioSolver, GTO+ und MonkerSolver modellieren den Spielbaum bis zum Showdown und finden Nash-Gleichgewichtsstrategien.
Alle Ausgaben dieser Solver sind in Chip EV angegeben. Für Cash Games funktioniert das einwandfrei. Für Turniere braucht man:
ICM-aware Solver:
- HoldemResources Calculator (HRC) für Push/Fold-Spots
- ICMIZER 3 für Spätstadien und den Finaltisch
- PioSolver mit benutzerdefiniertem ICM-Overlay für Postflop-Studien in spezifischen Turnierspots
Ohne ICM ist die Solver-Ausgabe nur eine Näherung. Viele Spieler nehmen ICM-Korrekturen aus dem Bauch heraus vor: "Wenn der Solver hier mit 88 pushen will, enge ich die Range an der Bubble um 30% ein" oder "Wenn der Solver mit AT callen will, enge ich an der Finaltisch-Bubble um 50% ein."
Das ist intuitiv, aber ungenau. Profis nutzen ICM-aware Solver direkt für Turnierentscheidungen, um auf taktische Kopfrechner-Korrekturen verzichten zu können.
Typische Fehler beim Umgang mit Chip EV
Chip-EV-Mathematik an der Bubble anwenden. Der häufigste Fehler überhaupt. Ein Spieler lernt Pot Odds auf Basis von Chip EV im Cash Game und überträgt diese auf die Bubble des MTT-Finaltisches. Das Ergebnis: Er callt Spots mit -$50 Dollar EV, statt zu folden. An der Bubble und am Finaltisch gilt immer: ICM-Korrektur prüfen.
Chip EV im Cash Game ignorieren. Der umgekehrte Fehler. Ein Spieler beschäftigt sich intensiv mit ICM in Turnieren und beginnt dann, über "ICM im Cash Game" nachzudenken. ICM im Cash Game funktioniert nicht. 1 Cash-Chip = 1 $. Chip EV direkt anwenden, ohne Korrekturen.
Chip EV und Dollar EV in Satelliten verwechseln. Satelliten hebeln Chip EV fast vollständig aus. Wer Entscheidungen in Satelliten über Chip EV bewertet, macht systematisch Fehler. Ausschließlich ICM-aware Tools verwenden.
Übermäßige ICM-Korrektur in unpassenden Situationen. Der Spieler hat Angst vor ICM und spielt in frühen MTT-Phasen zu tight. Das Ergebnis: ein schwacher Stack, der bereits als Short Stack an die Bubble kommt. Frühe MTT-Phasen bedeuten Chip-EV-Maximierung und aggressives Spiel.
Solver-Outputs ohne Korrektur auf Turniere übertragen. Ein Spieler überträgt Strategien aus PioSolver (Chip EV) auf das Spiel am MTT-Finaltisch. Ohne ICM-Korrektur sind diese Strategien der direkte Weg zum Bustout.
Varianz bei Chip-EV-Berechnungen ignorieren. Chip-EV-Maximierung ist langfristige Maximierung. In einer einzelnen Hand wirst du oft verlieren. Auf der langen Strecke funktioniert das Modell. Spieler gehen auf Tilt nach knappen +EV-Calls, weil sie nicht verstehen, dass EV in einer einzelnen Hand und EV über tausend Hände zwei verschiedene Dinge sind.
Wo das Modell an seine Grenzen stößt
Chip EV ist eine Abstraktion, die die Berechnung vereinfacht. Sie berücksichtigt nicht:
Varianz. Ein knapper +0,5 BB Call per Chip EV hat für einen Big Stack und einen Short Stack völlig unterschiedlichen praktischen Wert. Ein mittlerer Stack sollte dünne +EV-Spots häufiger folden, um die Varianz zu reduzieren.
Unterschiede im Spielerniveau am Tisch. Sitzt an deinem Tisch ein deutlich schwächerer Spieler, ist dein realer EV in diesem Turnier höher, als Chip EV annimmt. Manchmal lohnt es sich, in einem bestimmten Spot einen kleinen EV-Verlust zu akzeptieren, um länger gegen den schwächeren Gegner spielen zu können.
Künftige Sizing-Optionen bei tiefen Stacks. Chip EV geht von den aktuellen Stack-Größen aus. Bei tiefen Stacks (200 BB+) können Implied Odds die Berechnungen verschieben, und knappe Chip-EV-Calls werden zum großen Gewinn.
Zusätzlicher Spielraum bei tiefen Stacks. Tiefe Stacks geben dir mehr Möglichkeiten, Equity herauszuspielen, was Standard-Chip-EV-Berechnungen häufig nicht abbilden.
Chip EV ist ein Basismodell, keine endgültige Antwort. Nutze es als Ausgangspunkt für Entscheidungen und korrigiere auf Basis von ICM, Varianz, Gegnerstärke und Stack-Tiefe. Ein Spieler, der Chip EV blind ohne Korrekturen folgt, spielt auf 80 bis 85 Prozent des Optimums. Ein Profi, der Chip EV versteht und sinnvoll korrigiert, spielt auf 95 Prozent und mehr.
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